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Schäden bei Leitpfostenanstoß

Bei einem Landstraßenunfall fand nach dem Abkommen des Pkw von der Fahrbahn ein Kontakt mit einem Leitpfosten statt, ehe das Fahrzeug seine Endlage im Straßengraben erreichte. Unmittelbar im Anschluss erfolgte eine Kollision mit einem weiteren Fahrzeug, das ebenfalls von der Fahrbahn abkam. Im Gerichtsverfahren wurde argumentiert, dass der zuerst von der Fahrbahn abgekommene Pkw bereits durch die Kollision mit dem Leitpfosten u.a. im Bereich der Motorhaube schwer beschädigt wurde und das folgende Fahrzeug keine Beschädigungen an diesem erzeugt habe.

Um zu ermitteln, ob deutlich erkennbare Deformationen bei einem Anprall gegen einen Leitposten entstehen können, wurde zunächst eine Literaturrecherche durchgeführt. Zwar existieren Untersuchungen zum Anprall eines Pkw gegen einen Leitpfosten u.a. von Rausch[1], jedoch findet sich keine Aussage über den Einfluss der Kollisionsgeschwindigkeit auf das zu erwartende Schadensbild am Fahrzeug. Daher wurden Versuche mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchgeführt und das Kollisionsverhalten durch Hochgeschwindigkeitsvideoaufnahmen dokumentiert. Es kamen Eingrabeleitpfosten ohne Verstärkung zum Einsatz. Als Fahrzeug wurde ein Kia Picanto verwendet. Die Ausgangsgeschwindigkeit betrug 35 km/h und wurde im Anschluss  auf rund 45 und 55 km/h gesteigert. Es war festzustellen, dass sich der Leitpfosten mit steigender Geschwindigkeit im Bereich oberhalb des Punktes des Erstkontakts immer stärker elastisch verformte und sich der Fahrzeugkontur annäherte, ehe er aus einer Halterung im Boden herausgezogen und in Fahrtrichtung des Pkw umknickte. In allen Geschwindigkeitsbereichen war zu beobachten, dass sich der Frontstoßfänger auf der durch den Leitpfosten außermittig belasteten Seite aus seiner konstruktiv vorgesehenen Halterung im Übergangsbereich zum Kotflügel löste. Darüberhinausgehende Fahrzeugenschäden waren, abgesehen von leichten Schürfspuren, nicht zu beobachten. Damit bleibt festzuhalten, dass sich massive Verformungen deutlich oberhalb des Punktes des Erstkontakts nicht durch einen Anstoß gegen einen Leitpfosten erklären lassen. Geringfügige Kontaktspuren sind jedoch bei höheren Kollisionsgeschwindigkeiten nicht auszuschließen, wenn sich der Leitpfosten zunächst elastisch verformt und an die Fahrzeugkontur anlegt, ehe er in Fahrtrichtung umknickt.


[1] Quelle: Rausch, Hans Otto: Der Hindernisunfall in: Hugemann (Hrsg.) Unfallrekonstruktion Verlag autorenteam, Münster 2007.